Agenda


Ein gelingendes Leben? 

Kunst kann helfen.

 

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Ich arbeite mit Gruppen. Theatrale Lernprozesse wie auch das Ensemble-Spiel betrachte ich eher systemisch. Gruppenerfahrungen haben den Vorteil, dass sich die Beteiligten durch ihre verschiedenen Perspektiven vielseitig und umfassend  zu einem Thema in Beziehung setzen können. Das halte ich für einen effektiveren Ansatz, als den Wettbewerb um Exzellenz.


Das gilt ebenso für die Probenarbeit. Besitzrechte an einer Rolle gibt es daher in meinem Verständnis eigentlich nicht. Eine Figur wird für mich von allen dargestellt, die mit ihr auf der Bühne inhatlich verknüpft sind. 



Künstlerische Prozesse sind im interessanten Fall Expeditionen ins Unbekannte, wo die Grenze von persönlichen und kollektiven Kräften zu verwischen beginnt. Ich finde die Vorstellung vom Regie-Künstler als jemandem, der das bereits fertige Produkt seiner Arbeit nur noch aus dem Kopf zaubern muss, eher befremdlich. Entscheidungen auf der Basis festgelegter Regeln zu treffen, kann jeder halbwegs dickfellige Mensch. Sich dem Unbekannten in der Kunst auszusetzen, erfordert Mut. 


Ich frage mich, ob ein bestimmtes Anliegen der Theaterpädagogik nicht heikel geworden ist: Menschen zu befähigen, sich selbst neu zu entwerfen. Selbstverwirklichung ist heute ein Begriff in Stellenausschreibungen für Minijobs geworden. Die gegenwärtigen Mechanismen der Ökonomie sind auf Kreativ-Subjekte zugeschnitten, die individualistisch mit (immer neuen) Lebensentwürfen und den dazu passenden Konsumgewohnheiten umgehen können. Eine nachhaltige Ökonomie erfordert womöglich die Fähigkeit, die eigenen Verhaltensweisen an allgemeine Langzeit-Interessen anzupassen. Da kommen interessante Aufgaben auf uns zu.





Drei Aspekte sind mir bei meiner Arbeit besonders wichtig:



1 Die Selbstwirksamkeit bei der Auseinandersetzung mit dem, was Thema ist. Deshalb setze ich gerne Selbstversuche, Gruppenarbeit und Methoden des ästhetischen Forschens ein. 

 

2 Rahmenbedingungen, unter denen die Auseinandersetzung mit einem Thema von anderen (z.B. anderen Teilnehmenden oder einem Publikum) erlebt werden kann. Ich finde bei Aufführungen epische, chorische und performative Formate besonders interessant.

 

3 Arbeitsprozesse, die ihre Teilnehmenden zu legitimen "Stimmen" für ihr Thema machen. Das bedeutet z.B. auch, dass das Verhältnis von Spielenden zu ihren Figuren für mich aussagekräftiger ist, als die brillante, aber unpersönliche Umsetzung von Rollenvorgaben.


Pädagogik macht mit Gefahren vertraut,

sie beschützt nicht davor.